Heinz W. und Petra S. leben von Grundsicherung

Heinz W. und Petra S. leben von Grundsicherung

Auch Heinz W. gehört zum riesigen Heer der „Dauerbezieher“. Vor zweieinhalb Jahren meldete sein Arbeitgeber, ein kleiner Bauunternehmer, Insolvenz an und setzte ihn auf die Straße. Nach einem Bandscheibenvorfall bleibt ihm eine weitere Anstellung als Bauarbeiter verwehrt. Daher bot ihm die Agentur für Arbeit alternativ eine Beschäftigung in einer Schreinerei als Helfer an. Die nahm er sofort dankbar an, aber innerhalb der Probezeit entließ ihn der Arbeitgeber wieder, weil Heinz angeblich unzuverlässig arbeitete. Der Grund war aus der Luft gegriffen, denn später erfuhr er von einem Kollegen, dass der Schreinermeister in Zahlungsschwierigkeiten steckte. Er wollte sich wohl so einen Lohn sparen. Seitdem sucht Heinz wieder Arbeit. Bisher vergeblich.

„Irgendwie bin ich froh, dass meine Frau mich schon lange verlassen hat und ich jetzt alleine lebe. Kinder haben wir ja keine. Wissen Sie, wenn ich andere Schicksale so sehe, belastet ein Hartz-IV-ler doch die ganze Familie,“ erzählt er mir in seiner kleinen Einzimmerwohnung. Er wohnt in einem Berliner Randbezirk.

Heinz geht einmal pro Woche regelmäßig zur Tafel. Von dort darf er sich für nur wenige Euros frische Lebensmittel mitnehmen. Ein Team freiwilliger Helfer verteilt sie. Die meisten, die er trifft, kennt er schon länger. Hier braucht er sich nicht wegen seiner Armut zu schämen, denn alle anderen kämpfen mit den gleichen Problemen.

Kinder_R_K_by_Alexandra H._pixelio.de
Kinder_R_K_by_Alexandra H._pixelio.de

In der Tafel spreche ich auch kurz mit Petra S., einer alleinerziehenden Mutter zweier Kinder. Sie ist mit ihrem Fahrrad gekommen. Auf dem Gepäckträger hat sie einen Korb festgeschnallt, in den sie gerade ihre Wochenration legt: frisches Gemüse, Nudeln, Brot und Toast, Frischkäse, eine Tafel Schokolade.

„Die Kinder wollen immer etwas Süßes,“ erklärt sie mir kurz und fügt hinzu: „ Ohne die Lebensmittel der Tafel käme ich mit dem Arbeitslosengeld II nicht klar. Es reicht vorn und hinten nicht. Manchmal besuche ich auch mal die Bahnhofsmission.“ Dann strampelt sie los.

© Paul Bock

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