Das Weihnachtsfest trägt keltische Handschrift

Auf verwischten Spuren zu Christgeburt, Neujahrs- und Dreikönigsfest

Die Feste um die Jahreswende haben keltische Wurzeln. Aus Alban Arthuan und den Raunächten entwickelte sich das christliche Weihnachts-, Neujahrs- und Dreikönigsfest.

Die Geschichte der Kelten erzählt nicht nur von ihren mutigen Kriegern, die in blitzenden Brustpanzern um Land und Macht kämpften. Sie berichtet nicht nur über ihren Ackerbau mit selbstgefertigten eisernen Pflugscharen, ertragreichem Handel mit Salz oder feiner Schmiedekunst und der Erfindung einer Vorform von Seife. Auch ein tiefer Glaube gehörte als festes Fundament zu ihrem Leben. Im christlichen Weihnachten finden sich noch heute keltische Bräuche aus jener Zeit.

Weihnachtskerzen 1. Advent copyright Paul Bock
Weihnachtskerzen 1. Advent copyright Paul Bock

Die keltische Besiedlung des heutigen deutschen Raumes datieren Historiker etwa auf das 4. bis 2. Jahrhundert vor Christi Geburt. Dabei erstreckte sich ihr Gebiet vom Südwesten Deutschlands über die Rheingegend bis zum Nordrand der Mittelgebirge.

Zur Wintersonnenwende kehren Licht und Leben zurück

Neben dem Sozialsystem war auch das religiöse Leben der Kelten klar gegliedert. So waren alle kultischen Feiern im achtspeichigen keltischen Jahresrad festgelegt. Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen bestimmten dabei die einzelnen Festtage. Zum Beispiel begingen die Kelten zur Wintersonnenwende alljährlich das Fest Alban Arthuan, das aus verschiedenen Gründen eine hohe kultische Bedeutung besaß.

brennende Weihnachtskerzen copyright Paul Bock
brennende Weihnachtskerzen copyright Paul Bock

In dieser längsten Nacht des Jahres, der sogenannten Mutternacht, brachte nach keltischem Glauben eine Göttin von neuem das Sonnenkind zur Welt. Darin erfüllte sich für die Kelten die Gewissheit, im ewigen Kreislauf des Lebens wiedergeboren zu werden. In gleicher Weise kehrten Licht und Leben in der Mutternacht zu ihnen zurück. Je nach dem Stand von Sonne und Mond fiel Alban Arthuan ungefähr auf den 21. Dezember.

Dass Alban Arthuan zeitlich mit dem christlichen Weihnachtsfest zusammenfällt, ist natürlich kein Zufall. Um die keltischen Stämme leichter zum Christentum zu bekehren, gestand ihnen nämlich Rom den gewohnten Zeitpunkt ihres Festtags weiterhin zu. Dafür verlegte Papst Hippolytos im Jahr 217 die Geburt Jesu vom Frühjahr auf den Dezember, auf die Nacht vom 24. zum 25. Dezember. Deutschland übernahm diesen Termin erst 813.

Weihnachtskerze_R_by_Robert Köhn_pixelio.de
Weihnachtskerze_R_by_Robert Köhn_pixelio.de

Weihnachts-, Neujahrs- und Dreikönigsfest wurzeln in den keltischen Raunächten

Wie verschiedene Quellen berichten, endeten die keltischen Feierlichkeiten keineswegs mit der Mutternacht. Sie dauerten vielmehr bis zum 25. Dezember oder dem heutigen Dreikönigsfest. In diesen „Raunächten“ trieben die Kelten alle Dunkelheit aus und begrüßten Licht und Wärme, um die beständige Wiederkehr ewigen Neubeginns zu leben. Sie reinigten ihre Höfe mit dem Rauch immergrüner Zweige, brannten Kerzen an oder entfachten im Freien offene Feuer, die weithin sichtbar leuchteten.

Am Abend vor der Wintersonnenwende entzündeten sie einen sorgsam ausgesuchten Eschenstamm, dessen Glut sie für zukünftiges Glück zwölf Stunden lang schürten. In späterer Zeit ersetzten sie den Stamm durch einen frisch geschlagenen Baum, an dessen Ästen sie ein Heer von Kerzen anbrannten. Um schützende Kräfte für ihre Sippe und Habe wiederzubeleben, schmückten sie die Häuser liebevoll mit Mistel-, Tannen- oder Fichtenzweigen aus. Die Mistel sollte zudem ein fruchtbares Jahr bringen.

Weihnachtskerzen 2. Advent copyright Paul Bock
Weihnachtskerzen 2. Advent copyright Paul Bock

Noch heute werden zum Beispiel im Allgäu in ähnlicher Weise die Raunächte am Weihnachts-, Neujahrs- und Dreikönigsfest begangen. Wenn sich auch nicht überall die alten Bräuche so lebendig wie dort zeigen, finden sich doch in vielen weihnachtlichen Haushalten deutliche Symbole aus keltischer Zeit.

Alban Arthuan und Weihnachten sind lichtvolle Familienfeste

Zu keiner anderen Zeit erstrahlen heute die Fenster und Wohnungen in hellerem Licht als in den Tagen der Jahreswende. Ob Kerzenlicht über einem Tannenzweig brennt oder ein dekorativer Weihnachtskranz auf dem Tisch leuchtet, ob bunte Lichterketten die Fenster erhellen oder ein geschmückter Weihnachtsbaum feierlich glänzt, das alte Hoffnungs- und Schutzsymbol „Licht“ ist so beliebt wie eh und je. Reiche Anwendung finden auch die stimmungsvollen Räucherstäbchen, und wie vor 2000 Jahren ziert vielerorts ein heilbringender Mistelzweig Tür und Tor.

Weihnachtsbaum copyright Paul Bock
Weihnachtsbaum copyright Paul Bock

Schon in keltischen Tagen war die Zeit zwischen den Jahren ein Familienfest. Bei erlesenem Hirschbraten und frischem Dinkelgebäck saß die ganze Sippe fröhlich beisammen. Es wurde reichlich gegessen und getrunken. Für ihre üppigen und ausgedehnten Festgelage waren die Kelten weithin bekannt. So mag der übermäßige Weihnachtsschmaus von heute im Kreis der Lieben wohl ebenfalls keltische Wurzeln haben.

Offen bleibt allerdings die Frage, warum Menschen die Feste um die Jahreswende noch heute nach keltischem Brauch begehen. Pflegen sie sie aus innerer Überzeugung oder weil sie wie jedes Jahr vor der Tür stehen? Mag sein, sie empfinden im Herzen noch wie die Kelten.

© Paul Bock

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