Wie Geschichten laufen lernen

Tatsächlich entwickelt sich eine Geschichte  ständig weiter. Zuerst in der eigenen Fantasie, dann auf dem Bildschirm oder dem Papier. Das Manuskript ist also nie wirklich fertig.

Grenzenlose Fantasie

Aber wo holen sich Autoren ihre Farben für eine neue Geschichte? Für welche Leinwand entscheiden sie sich? Wie finden sie ein Thema, das unterhält und im besten Fall Heerscharen von Lesern anzieht? Welche Hauptfigur wählen sie? Sind Nebenfiguren für die individuelle Geschichte überhaupt wichtig? Wo ergeben sich Spannungsmomente für Konflikte, die die Geschichte antreiben?

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Fragen über Fragen, die zu Beginn des Schreibens unmöglich alle beantwortet werden können.

Schreiben als kreative Tätigkeit

Schreiben ist gelebte Kreativität – gut vergleichbar mit der Tätigkeit eines Malers oder Bildhauers. Und Schreiben soll meines Erachtens zwanglos und offen sein. Schreiben soll einfach Spaß machen. Denn die Erfüllung, die Autoren dabei erleben, überträgt sich auf wundersame Weise auch auf ihre Leser.

Meine eigene Erfahrung zeigt: Zur Entwicklung einer neuen Geschichte genügt erstmal eine gute Portion Fantasie und Intuition. Jedes Nachdenken bremst dabei den kreativen Schaffensprozess aus. Mit diesem Werkzeug ausgerüstet lege ich dann ganz entspannt los, schreibe quasi ohne Punkt und Komma. Lass die Fantasie aus mir ins Schreibprogramm fließen.

Grenzenlose Freiheit

Abendhimmel als Symbol grenzenloser Freiheit © Paul Bock
Abendhimmel als Symbol grenzenloser Freiheit © Paul Bock

Ich beschreibe zum Beispiel eine Situation, die mir einfällt. Versuche eine Stimmung einzufangen oder einen Menschen zu beschreiben. Wer gerne zuhört oder sich unterhält, mag vielleicht mit einem fiktiven Dialog beginnen. Alles ist möglich. Grenzenlose Freiheit also – wo gibt es sie noch? Hauptsache nur, man setzt die Feder überhaupt an.

Praktisches Beispiel

Dazu möchte ich heute ein praktisches Entwicklungsbeispiel geben. Zugegeben, ich weiß nun selbst überhaupt nicht, welche Bilder mir meine Fantasie zeigt und was sich daraus als Beispiel ergibt. Um Ihnen mein Vorgehen allerdings verständlicher zu machen, füge ich zwischendurch zur Erläuterung kurze Passagen ein. Diese schreibe ich dann in Kursivschrift.

Folgen Sie mir also einfach in eine noch unbekannte Welt aus Intuition und Fantasie, deren Tor sich in diesem Augenblick für uns öffnet:

Park - copyright by_Siegfried Baier_pixelio.de
Park – copyright by_Siegfried Baier_pixelio.de

 

Szene aus dem Alltag

ein mann sitzt auf einer parkbank – alleine – es ist schönes wetter – die sonne scheint also – im park spielen kinder ball – rentner unterhalten sich unweit des mannes – der mann steckt sich eine zigarette an und blickt nachdenklich um sich – eine junge frau schiebt einen kinderwagen auf dem weg vor ihm vorbei – in der ferne ertönt ein martinshorn – der mann denkt an seine mutter, die sich jeden tag über alles mögliche sorgt – er beugt sich nach vorn, drückt den zigarettenstummel am geländer der parkbank, steht auf und schlendert davon …

Fantasie und Intuition zeigen uns ein unerwartet banales Bild, da geben Sie mir wohl Recht. Vielleicht eignet sich die obige Beschreibung nach Ihrer Einschätzung sogar sofort als Beginn der Geschichte. Vielleicht aber haben wir damit auch nur ein kleines Mosaikteil vor uns, das uns erste kleine Details des Mannes verrät. Immerhin stellen wir uns die beschriebene Situation lebendig vor. Sie bleibt in Bewegung, so wie der Ton des Martinshorns auf- und abschwellt. Es ist kein Foto, sondern ein Film. Meine Fantasie folgt nun dem Mann:

der Film läuft weiter

Entwickeln Sie neue Bilder, damit der Film weitergeht - copyright by_R. B._pixelio.de
Entwickeln Sie neue Bilder, damit der Film weitergeht – copyright by_R. B._pixelio.de

er verlässt den park, wartet an einer fußgängerampel auf grün, überquert die straße – begrüßt dort einen passanten, gibt ihm die hand und lacht – „hallo, Jens, schon auf dem Nachhauseweg?“ – „Ja,“ antwortet der mann, „feiere überstunden ab.“ – „deine mutter wieder gesund?“ – „ja, so ziemlich. muss mich beeilen – wegen dem essen.“ – „Ach, du wohnst wieder bei ihr? – jens möchte weiter, die situation ist ihm peinlich – er sagt nur „scheidung ist teuer, walter. machs gut.“ – walter schüttelt den kopf

In diesem Bild bekommt der Mann mehr Farbe und Konturen. Unsere Fantasie zieht den Vorhang weiter zurück und verrät uns noch mehr Einzelheiten über ihn. Ob daraus der Same einer neuen Geschichte aufgeht, liegt ganz an uns. 

Legen Sie Ihre Feder jetzt nicht zur Seite. Copyright by_birgitH_pixelio.d
Legen Sie Ihre Feder jetzt nicht zur Seite. Copyright by_birgitH_pixelio.de

die Fantasie treibt voran 

Wer nun seiner Fantasie Bremsen anlegt oder alles Weitere auf morgen verschiebt, wählt die falsche Weiche. Natürlich nur, wenn er/sie den intuitiven Entwurf weiterverfolgen möchte. Immerhin erfordert eine neue Geschichte Schöpferkraft. Aber wenn wir ehrlich sind: an dieser Stelle ermessen wir noch garnicht, ob sich aus den Fantasiebildern ein guter Stoff ergibt.

Wohin führt uns die Fantasie? Copyright by_Kurt Michel_pixelio.de
Wohin führt uns die Fantasie? Copyright by_Kurt Michel_pixelio.de

Wie geht´s weiter?

Wie Sie Bilder Ihrer Fantasie miteinander verbinden, Farbklekse setzen und Figuren Leben einhauchen, erfahren Sie im nächsten Beitrag des schreibstueberls.

© Paul Bock

5 Kommentare zu „Wie Geschichten laufen lernen

    1. Hallo Wolkenbeobachterin,
      herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich immer sehr über Antworten. Im Sinne meiner LeserInnen gelingen mir Verbesserungen so viel leichter. Offenbar findet das Thema, das mir in entspannter Stunde einfiel, tatsächlich Interesse. Dir einen guten Wochenstart und gute Gesundheit.
      Liebe Grüße
      Paul

      Gefällt 1 Person

      1. Hallo Paul, ich danke Dir für die lieben Wünsche und Worte. Und ja, es ist ein interessantes Thema. Ich lese gern Beiträge über das Schreiben. Danke Dir. Liebe Grüße von der Beobachterin.

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      2. Hallo wolkenbeobachterin,
        danke für Deine Antwort. Vielleicht verfolge ich das begonnene Thema schon in den nächsten Tagen weiter. Denn die begonnene neue Geschichte weckt auch mein eigenes Interesse, das ich so am besten an meine LeserInnen weitergeben kann.
        Liebe Grüße Paul

        Gefällt 1 Person

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